Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz

Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz


Aus Zahlen werden Menschen

„Jeder Europäer sollte sich die Anlagen von Auschwitz ansehen, um dieses dunkle Kapitel der Geschichte zu verstehen.“ Diese Worte Ruth Winkelmanns, einer der wenigen noch lebenden Zeitzeuginnen der Judenverfolgung, bewogen uns, die Reise nach Polen anzutreten. Nach acht Stunden im Reisebus kamen wir am 31. August an unserem Ziel an. Begleitet wurden wir 17 Schüler des 3. Semesters von Herrn Birkenbach und Frau Nitsche.
Am Sonntagnachmittag sahen wir uns zunächst das ehemalige jüdische Ghetto von Krakau an, begleitet von Pani Silvia, die uns als Kunsthistorikerin einen guten Einblick in die Geschehnisse zur Zeit der Judenverfolgung in Krakau geben konnte. Unser Hotel lag nicht weit davon entfernt, sodass wir häufiger an diesem Ort vorbeikamen.
Foto: Joschka RiecheKrakau ist eine sehr schöne Stadt. Entlang der Weichsel gibt es einen Spazierweg und mehrere Fahrradwege. Die alte polnische Residenz- und Hauptstadt ist seit 1978 von der UNESCO in den Status des Weltkulturerbes erhoben worden, was uns angesichts der zahlreichen Sehenswürdigkeiten in der unzerstörten Altstadt wie der Marienkirche, der Tuchhallen auf dem wohl größten und schönsten Marktplatz Europas uvm. angemessen erschien.
Nach den gemeinsamen Besichtigungen hatten wir auch Zeit für uns alleine, um die Stadt im Detail kennenzulernen. Mit den polnischen Verkäufern konnten wir uns auf Englisch verständigen, einige auch auf Polnisch.
Am Dienstag war es dann soweit, der Besuch in Auschwitz und Birkenau stand an. Niemandem war bewusst, was wir in den nächsten Stunden sehen, fühlen und erleben würden. Sobald wir die ersten Schritte ins Lager gesetzt hatten, wurde es ruhig in der Gruppe. Kaum jemand wollte sich unterhalten. Wir hörten nur unserer Gedenkstättenführerin zu. In einigen der Häuser des Konzentrationslagers sind Ausstellungen aufgebaut. Sie zeigen erschreckende, furchtbare Dinge; Fotos von Menschen, die auf der Rampe in Gruppen aufgeteilt werden; Familien, die sich nach den Aufnahmen nie wieder sahen. Die Brutalität der Nazis ist spürbar, obwohl seitdem schon 70 Jahre vergangen sind. In uns gekehrt, liefen wir durch die Ausstellung. Kaum jemand hatte seine Gefühle und Emotionen im Griff, als wir an den Bergen von Haaren, die den Opfern abgeschnitten worden waren, vorbeiliefen. Bergeweise türmten sich Schuhe zu unserer Linken und Rechten auf; Schuhe, die einst von lebenden Menschen getragen worden waren. Schuhe von Männern, von Frauen aber auch von Kindern.
Von den mehr als 5,6 Millionen Opfern des Holocaust wurden etwa 1,4 Millionen Menschen, darunter eine Million Juden, in Auschwitz-Birkenau ermordet. Das sind Zahlen, die man im Geschichtsunterricht oft hört und auch in Zeitungsberichten liest. Diese Zahlen wurden plötzlich real, lagen fast greifbar in der Luft. Aus Zahlen wurden Menschen.
Später saßen wir nochmal zusammen, um über die Ereignisse und Eindrücke von Ausschwitz zu reden. Die Stimmung in der gemeinsamen Runde war aufgewühlt und bedrückt. Wir waren uns einig, dass die Eindrücke nicht zu vergessen sind, dass es sehr wichtig für uns war, dort gewesen zu sein und dass wir nie wieder dorthin zurückfahren wollen.
Paula Ussat & Luk Grätz (3. Semester)
Gabriele-von-Bülow-Schule
Berlin Reinickendorf