Reise nach Krakau des Heimatvereins Linstow

Bildungsfahrt des Heimatvereins Linstow e. V. von Linstow an der Nebel nach Krakau an der Wisla.

Unsere diesjährige Bildungsfahrt ging vom 16. bis 20.9.2010 nach Krakau und Auschwitz.
Viele Interessenten hatten sich zu dieser Fahrt angemeldet, so dass wir mehrmals die Teilnehmerzahl verändern mussten. Aus ursprünglich 30 Teilnehmern wurden tatsächlich 44.
Darunter waren auch sechs Schülerinnen und Schüler der Realschule Krakow am See mit ihrer Geschichtslehrerin Frau Strübing. Die Schüler konnten bei den Gesprächen im Bus und in Polen Geschichtsunterricht pur erleben.
Auf dem straff geführten Reiseplan standen am ersten Tag die Stadtführung Krakau, die Besichtigung des Wawel-Hügels mit Schloss und Kathedrale. Am Abend traf sich die Reisegruppe, um den Tag auszuwerten. Herr Herbst hielt ein Referat zum Thema „Umsiedlung und Flucht der Deutschen aus Wolhynien im 2. Weltkrieg“.
Am zweiten Tag ging es nach Wieliczka, in das Salzbergwerk. Am Nachmittag, wieder in Krakau, zeigte uns eine Stadtführerin das jüdische Viertel Kaszimierz und gab uns ausführliche Informationen über das jüdische Leben einst und jetzt. Wir konnten die Schauplätze der Verfilmung zu „Schindlers Liste“ live erleben. Ein Abendessen bekamen wir in einem jüdischen Restaurant, das mit einem kleinen aber feinen Klezmerkonzert endete.
Der dritte Tag war der Besichtigung des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz vorbehalten. Zuvor fand ein Treffen in der Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz statt. Frau Ela Pasternak, die mit polnischen Lehrerstudenten schon mehrfach in Linstow war, stellte uns diese Einrichtung vor und gab Informationen zur bevorstehenden Besichtigung des Konzentrationslagers. Interessant war ein Kurzfilm über Auschwitz aus der Perspektive einer Sekretärin, beschäftigt bei der IG Farben, und eines deutschen und eines polnischen Juden, die den Holocaust überlebten. Nach dem Rundgang im Konzentrationslager legten alle Teilnehmer tief bewegt Blumen an der Erschießungsmauer ab.
Am Abend führte uns ein deutscher Praktikant durch die Stadt Auschwitz. Zurück in der Jugendbegegnungsstätte hielten die Schülerinnen der 10. Klasse einen Vortrag über die Vernichtung der Juden.
In der Jugendbegegnungsstätte trafen wir auf eine Gruppe von Auszubildenden aus der Firma Volkswagen Wolfsburg. In Gesprächen erfuhren wir, dass seit 23 Jahren Auszubildende der Firma VW zwei Wochen im Jahr im ehemaligen Konzentrationslager arbeiten. Sie reinigen z.B. die vielen Schuhe der Opfer, bessern die Stacheldrahtzäune und die Wege des KZ aus.
Im 2. Weltkrieg mussten auch in der Firma Volkswagen Kriegsgefangene arbeiten.
Wenn auch von einer Wiedergutmachung gesprochen wird, wieder gut machen kann man die schrecklichen Taten, die in diesem und in den vielen anderen Konzentrationslagern geschehen sind, nicht. Wir können nur dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passiert.

Auf der Heimfahrt erfuhren wir, dass Herr Pastor Behre Vater einer Tochter geworden ist. Der Geburtstermin war noch gar nicht erreicht, aber die Kleine hatte es sehr eilig, auf die Welt zu kommen. Gibt es einen freudigeren Abschluss für unsere Fahrt?
Es waren sehr interessante Tage und bewegende Begegnungen, wir werden sie im Herzen behalten.

Ein ganz herzlicher Dank geht an das Reisebüro Polen-Reisen Berlin, an Eva unsere Reisebegleiterin und an Marius unserem Busfahrer.

Finanziell unterstützt wurde diese Fahrt von dem Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, aus dem Etat der Kulturreferentin für Wolhynien Magdalena Oxfort M.A. und von der Landeszentrale für politische Bildung Schwerin.

Christiane Lengnink
Heimatverein Linstow e. V.