Kursfahrt der Leonard-Bernstein-Oberschule

Krakau…eine Entdeckungsreise

Leistungskurs Geschichte der Leonard-Bernstein-Oberschule Berlin-Hellersdorf

 

Nach langer Busfahrt war unser Kurs endlich am Ziel. Krakau.
Wir begannen mit einer Stadtführung, die uns Krakau näher brachte.Der erste Teil der Führung führte uns in das jüdische Viertel Kazimierz. Dort besichtigten wir eine Synagoge mit Friedhof und erfuhren vieles über das jüdische Leben in Krakau, vor allem zur Geschichte. Weiter ging es dann zum Marktplatz. Der Marktplatz ist wunderschön. Alte Häuser mit bemerkenswerten Fassaden geben diesem Platz seinen besonderen Reiz. In der Mitte befinden sich die Tuchhallen mit den Geschäften unter den Arkaden. In der Nähe erblickt man die Marienkirche mit den zwei unterschiedlichen Türmen. An der St.-Anna-Kirche vorbei schlendert man zur Wawel- Anhöhe, die wir am Dienstag, nach einem Besuch in der Universität auch besichtigten. Der Wawel, ein Schlossberg mit den interessantesten Bauten der Stadt, ist ein Highlight Krakaus. So findet man hier die dreischiffige Kathedrale, in der viele Monarchen gekrönt und viele bekannte Persönlichkeiten beigesetzt wurden. Auch Krakau bei Nacht ist sehenswert, da dann die schönsten Gebäude angestrahlt werden.
Tags darauf begaben wir uns in die schreckliche Vergangenheit und fuhren nach Auschwitz- Ort des größten Menschenvernichtungslagers während des deutschen Nationalsozialismus. Selten zuvor war ich emotional so betroffen, unfähig, das Gezeigte zu verstehen. Viele Kommentare hatte ich über dieses KZ gelesen, aber kein Artikel, keine Fernsehsendung hat mich derart brutal mit dem Geschehen konfrontiert. Es war nicht das erste Konzentrationslager, das ich betrat - doch trotzdem leiß mich der Gang durch das Tor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei" nicht kalt. Viele zuvor gesehene Berichte und Bilder blitzten mir durch den Kopf. Vieles hatte man schon gesehen - auf Bildern. Hier stand man jedoch davor, mittendrin und sieht in einem verglasten Raum... ausschließlich eine nicht abschätzbare Anzahl an Brillen. Oder einen Raum voller Schuhe. Oder die Halle mit menschlichen Haaren. Man kam eigentlich nicht umhin, sich voArzustellen, von was für Menschen diese Haare stammen, was für Situationen sie durchmachten, wie ihnen zumute war, als ihnen die Haare geschoren wurden. Es schnürte einem die Kehle zu. Block 11 - der Todesblock. Äußerlich unterschied er sich in keiner Weise von den anderen. Und doch war er gefürchtet– Tausende Leben wurden dort an der "Todeswand" beendet. Das Grauen wurde greifbar… Drei Kilometer vor den Toren von Auschwitz entfernt, befindet sich Birkenau. Wie ein Schock wirkte dieser Anblick auf mich. Der große Einfahrtsbogen bot den ankommenden Zügen genug Platz, mitten in das Lager hinein zu fahren. Nun stand ich davor. Und doch: mit dem Wissen des hier Vorgefallenen konnte ich Beklemmungen nicht ignorieren. All das, was ich aus Schulzeiten, aus Filmen, Dokumentationen, aus Büchern und Zeitschriften über Konzentrationslager so im Sinn hatte - hier lag es plötzlich vor mir: die Baracken, die Stacheldrahtzäune, die Zuggleise an denen gleich die erste "Selektion" stattfand und weit hinten die Ruinen der Krematorien. Plötzlich waren diese Bilder greifbare Realität. Die Bilder vor meinen Augen vermischten sichmit denen in meinem Kopf, alles scheint plötzlich voller Baracken und geschundenen Menschen. Millionenfache Höllenqualen, millionenfache Todesangst - hier ist dies zu Hause. Dennoch gewährte Auschwitz/Birkenau auch Zeit zum Nachdenken, Zeit für Gefühle. Denn es rührt mich zu Tränen. Trauer und Fassungslosigkeit über die Grausamkeiten bedrückten mich - ich konnte sie fast mit Händen greifen, die Last der Verantwortung, die wir tragen. Verantwortung dafür, ähnliches nie wieder passieren zu lassen. Verantwortung dafür, dieses Geschehene nicht zu vergessen.
Am nächsten Tag besichtigten wir eine kleine Ausstellung in Krakau, die uns noch einmal in Bildern die Geschichte Krakaus näher brachte.
Am letzten Tag fuhren wir wieder heim, allerdings besuchten wir noch Kreisau. Wir absolvierten die Führung über das Gutsgelände mit Ausstellung und lernten die Geschichte der Begegnungsstätte kennen, sowie die Geschichte des Kreisauer Kreises. In diesem Sinne vielen Dank an unseren Reisebegleiter, der uns mit Rat und Tat zur Seite stand, den Menschen, die uns in Krakau und Kreisau führten und auch all denen, die uns diese schöne, aber auch prägende Kursfahrt ermöglichten.
Silke Krause

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